5 Tipps von YouTube- und Vine-Stars für eine erfolgreiche Markenkooperation


Fern-Sehen


Noch schauen Menschen am liebsten Fernsehen. Laut der ARD-ZDF-Onlinestudie 2014 verbringen die Deutschen ab 14 Jahren durchschnittlich 237 Minuten am Tag vor dem TV-Gerät. Doch gleichzeitig macht die Studie auf einen wachsenden Trend aufmerksam. Seit dem Boom der sozialen Netzwerke hat die „Glotze“ durch YouTube-Videos ernsthaft Konkurrenz bekommen. In Zahlen: 49 Prozent der Deutschen schauen innerhalb von vier Wochen Videos auf YouTube, 40 Prozent innerhalb einer Woche. Die Tendenz ist besonders bei den jüngeren Konsumenten steigend.

Unternehmen und Marken müssen reagieren und suchen nach neuen Möglichkeiten, ihr Publikum zu erreichen. Experimente in Form von Kooperationen mit den neuen Videos-Stars auf YouTube und Vine werden immer häufiger.
(Hierzu auch: Vine Videos schaffen den Sprung ins deutsche TV)

Doch wie funktioniert die Kooperation am besten?
Tipps gaben der YouTube-Star Fleur deForce und die Famous Viner Leslie Wai und Huw Samuel anlässlich der Veranstaltung Guardien Change Media Summi 2015 in London.
Das Online Marketingmagazin hat die Tipps der Stars in einem Artikel zusammengefasst, den ich im Folgenden sinngemäß übersetzt habe.

Zusammenarbeit bedeutet nicht gleich Billigung

Make-up Vloggerin Fleur deForce: „Die wirksamste Werbung für Marken entsteht dann, wenn die Unternehmen erkennen, dass die gute Zusammenarbeit das Wichtigste ist. Die besten Marken, mit denen ich zusammen arbeite, sind jene, die zu mir kommen und fragen, wie man die Marke so in meinen Content integrieren kann, dass mein Publikum die Botschaft versteht.”

Im Klartext: Erfolgreich sind somit jene Marken-Verantwortliche, die die kreative Kontrolle der Beiträge an die Stars abtreten. Sie sollten darauf vertrauen, dass die Vlogger eine originelle Idee für die Vermarktung finden, die beim Publikum ankommt.

Ariel König, Content-Stratege bei der Agentur Arena UK, ergänzte: „Man muss in der Zusammenarbeit mit diesen Stars viel freier sein. Es ist ihr YouTube-Kanal, ihr Publikum und sie wissen am besten, was funktioniert.” Dabei sollten die Auftraggeber beachten, dass die Stars bei Briefing so viele konkrete Informationen erhalten wie möglich. Das garantiert, dass die Video-Umsetzung der Stars auch den Tonfall der Marke widerspiegelt.

Das Publikum ist klüger als Sie denken

In einem waren sich alle YouTuber und Famous Viner einig: Transparenz und Authentizität sind der absolute Schlüssel für ihren Erfolg. Viele junge Menschen, die ihre Internetpopularität zum Beruf gemacht haben, werden ihre Existenz nicht mit schlecht durchdachtem Productplacement auf’s Spiel setzen, so der Tenor.

Leslie Wai, ein Famous Viner aus UK, der mit Dominos Pizza zusammengearbeitet hat, unterstrich: „Ich habe einige Viner gesehen, die nur nach dem Geld und dem Profit schauen. Meine Erfahrung sagt, dass das Publikum sofort merkt, wenn es sich um eine Anzeige handelt.”

DeForce sagte: „Sie können Ihre Zielgruppe schnell verlieren. Dann sind fünf Jahre harten Arbeit, die man in den Aufbau gesteckt haben, weg.“

Huw Samuel fügte hinzu, dass die Zuschauer ihren Unmut auch gerne öffentlich zeigen. Sein Tipp: #Ad’ unter einem Video platzieren und so die Produktwerbung offenlegen. Denn das Publikum ist nicht grundsätzlich gegen Werbung, aber sie darf nicht versteckt platziert werden. DeForce hat mit dem Zusatz „Ad“ in den Titel ihrer gesponserten YouTube-Videos gute Erfahrungen gemacht. Wer die Anzeigen und die gesponserten Inhalte deutlich von dem im Stile der Stars üblichen Inhalten abgrenzt, beim dem funktioniert die Markenkooperation.

Nicht nach Exklusivität fragen

Damit die Stars authentisch bleiben, können sie nicht exklusiv eine Marke präsentieren. Deshalb ist es für Marken nicht ratsam, darum zu bitten.
YouTuberin DeForce bekräftigte: „Als Schönheits-Vlogger drehen sich die meisten Videoinhalte rund um eine Reihe von Produkten. Exklusivität ist deshalb nicht möglich.“

Ariel König fügte hinzu: „Manche Marken-Verantwortlichen denken, wenn sie die Kooperation finanzieren, bekommen sie alles, was sie wollen. Aber sie vergessen: Der Videokanal ist die Lebensgrundlage der Stars.” Exklusivität oder der Fokus auf eine Marke gefährdet dessen Erfolg.

Eine Win-Win-Situation

Am besten klappt die Markenpartnerschaft, wenn alle „profitieren“: die Marke, das Publikum und die Stars.
Als Huw Samuel zum Beispiel mit der BBC für die Sendung „The Voice“ kooperierte und einen ausgelassenen Tag mit Sänger Tom Jones verbrachte, war es für ihn „wirklich Spaß”, für die BBC eine gute Werbung und das Publikum erfreute sich an den unterhaltsamen Clips. DeFleur ergänzte, dass die Zusammenarbeit mit einer Modemarke, bei der ‚Hinter den Kulissen’-Inhalte im Mittelpunkt standen, von ihrem Publikum wirklich geliebt wurde.

Kommt eine Regulierung?

Die zwei YouTube-Stars Dan und Phil bekamen bei einem ihrer Kooperationsprojekte von britischen „Anzeigenwachhunden“ eine Abmahnung. Die beiden kreierten von Oreo gesponserte Videos, ohne sie deutlich genug als Anzeige zu kennzeichnen, so der Vorwurf. Dabei war folgende Bildunterschrift unter dem Video zu sehen: „Gehen Sie für weitere leckere Aktionen auf die Oreo Website. Danke an Oreo, die die Herstellung des Videos ermöglicht haben.“

Nach diesem Vorfall hat die Advertising Standards Authority (ASA) klarere Richtlinien zum Umgang der Marken mit Vloggers festgelegt. Aber es gibt immer noch Grauzonen. Bislang lag der Fokus der ASA auf YouTube. Vine wurde bisher nicht kontrolliert. Huw Samuel rät: „Im Moment gibt es nicht viel Kontrolle auf Vine, aber dennoch sollte jeder seinen gesunden Menschenverstand gebrauchen und sehr vorsichtig sein. Es könnte sein, dass Twitter versucht, eigene Wege zu finden, um mit den Kreativen Geld zu verdienen.“

Fazit

So wie Google immer mehr zum Vermittler zwischen YouTube und Marken wird, könnte Twitter ebenfalls darauf aus sein, diese Kontrollfunktion bei der Video-App Vine zu übernehmen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation hier in Deutschland entwickelt. Vine ist hierzulande als eigenständige soziale Plattform noch relativ unbekannt. Dennoch, es ist und bleibt eine spannende Entwicklung, die es zu beobachten gilt.

autor: franz-josef baldus,

koelnkomm socialmedia geschäftsführer,
Akademieleiter Vine-Academy,
Vine-Dienstleister für Unternehmen und Marken

publiziert am 03.04.2015