Die Kurzvideo-Strategie bei Grace Grand Spa - Ein Interview mit Simon Herrmann


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Bei Facebook stolperte ich neulich über ein paar nette Kurzvideos von Grace Grand Spa, einem Hersteller von exklusiven und nachhaltig produzierten Baumwollprodukten.
Wie sich herausstellte, wurde dieser Snack-Content von Simon Herrmann ausgedacht und von ihm in Kooperation mit Orca Life produziert.
Mit Simon bin ich schon lange auf Instagram, Vine & Co. befreundet, ohne dass wir uns persönlich kannten. Das haben wir nun geändert, uns in Hamburg getroffen und ich habe ihn zu besagten Kurzvideos interviewt.

Simon Herrmann Creative Producer bei FUSE GmbH in Hamburg

Simon Herrmann
Creative Producer bei FUSE GmbH in Hamburg

Snack-Content bei Grace Grand Spa – Ein Interview

Was war der Auftrag?
Simon Herrmann: „Der Auftrag war es, die Marke Grace, einen Baumwollhersteller mit Handtüchern und Bademänteln im Sortiment, social media-mäßig ein wenig mehr nach vorne zu bringen und die Marke an sich via Facebook und Instagram bekannter zu machen. Die Vorteile der Baumwollware sollte erlebbar gemacht werden.“

Wie wurde das Ganze umgesetzt?
Simon Herrmann: “Nach einem kleinen Brainstorming hatten wir schnell 7 kurze Videoclip-Ideen im Kopf, die ausschließlich auf eine humorvolle Art und Weise die Vorteile der Grace Handtücher darstellen sollten.
Doch wie stellt man beispielsweise „Saugfähigkeit“, „Top Design“ und „Tuchgefühl“ in einem Video dar? Wir haben uns einfach Geschichten ausgedacht, die erzählen sollten was alles mit einem Handtuch von Grace möglich ist.
Von den 7 Ideen wurden am Ende 3 wirklich umgesetzt und mit Komparsen und Kleindarstellern in Hamburg gedreht:
Ein Mann bekommt durch das bloße Abtrocknen am Bauch einen Sixpack. Eine Frau im Bad nimmt nach dem Duschen nur den Handtuchturban vom Kopf und ist direkt perfekt gestylt und geschminkt. Ein Handtuch fällt versehentlich in die volle Badewanne und saugt auf einen Schlag das Wasser auf, sodass die Person in der Wanne im Bild auf dem Trockenen sitzt.”

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Warum wurde Snack-Content bei dieser Kampagne eingesetzt?
Simon Herrmann: “Da das Budget begrenzt war, wollten wir mit kleinen, aber feinen Mitteln viel erreichen.
An einem Drehtag wurden 3 Szenen in einem Badezimmer des Hamburger Hotels Vier Jahreszeiten nacheinander abgefilmt. Keine Locationwechsel, kleiner Licht- und Kamera-SetUp.
Ein 2-3 minütiger Imagefilm über die Produktion und Vermarktung von Baumwollwaren kam nicht in Frage. Das schaut sich keiner an, ist viel zu lang und langweilt.
Jeder kennt die neuen Sehgewohnheiten, niemand hat mehr Zeit und konsumiert Bewegtbildinhalte zu einem großen Teil ohne Ton am Smartphone.
Wir wollten kurze, knackige Clips von 10-20 Sekunden produzieren, die im besten Falle mit einem Schmunzler beim Betrachter enden. Sie sollten auf jeden Fall auch ohne Ton funktionieren. Es sollten also Szenen entstehen, die man gerne teilt bzw. auch in seinem Alltag wiederfindet oder auch gerne selbst erleben würde. Die Clips sollten leicht und schnell konsumierbar sein.
Nach dem jeweiligen Clip sollte am Ende ein kleines Outro kommen mit der URL vom Shop, dem Produkt aus dem Clip, einem „Shop Now Button“ und einer kleinen Headline. Das war aber keine so gute Idee.”

Warum?
Simon Herrmann: “Durch die Daten, die Facebook einem liefert, wenn man einen Beitrag bewirbt, wurde schnell klar, dass niemand bis zum Outro schaut, nach der Realbildszene schalteten die meisten Leute ab.
Die Beteiligung war in unserer ausgewählten Zielgruppe sehr schlecht. Obwohl die Reichweite gut war ergaben sich wenige Likes und kaum Kommentare. Das ganze sah zu sehr nach „Bitte jetzt hier sofort kaufen“ aus.”

Simon Herrmann im Interview zu Snack-Content

Simon Herrmann im Interview zu Snack-Content


Habt ihr die Clips verändert bzw. umgeschnitten?
Simon Herrmann: “Ja, eigentlich sofort.
Jeder weiß, dass man kein Sixpack bekommt durch normales „Bauchabrubbeln“ mit einem Handtuch, aber jeder kennt eine Person die so ein Handtuch gerne hätte, bzw. dringend gebrauchen könnte.
Also haben wir kleine Textzeilen über die Videos eingefügt mit Sätzen wie zum Beispiel: Markiere jemanden, der dieses Tuch dringend braucht!
Das Outro, da es ja eh niemand gesehen hat, haben wir komplett rausgenommen. Somit waren die Clips noch kürzer. Der Absender steht ja über dem Posting selbst.
Natürlich ist die Idee nicht neu mit dem „Markiere eine Person“, sie funktionierte im Falle des Bauch Videos aber perfekt.
Ich sehe das jeden Tag bei Instagram, da ist ein Text auf weiß über einem Bild, der das Bild erklärt oder witzig auf die Schüppe nimmt. Nachdem wir das Bauch Video mit ein wenig Geld bei Facebook und Instagram beworben hatten, bekamen wir über Nach 4.700 Klicks, 10 Kommentare und 5 Likes bei Facebook. Am zweiten Tag waren es dann 11.000 Klicks, 30 Kommentare und über 20 Likes. So ging es weiter und weiter. Momentan sind es über 50.000 Klicks und mehr als 130 Kommentare. Bei Instagram sind es fast 6.500 Klicks und 160 Likes. Ich finde das sehr spannend. Die Leute haben also Spaß daran Freunde zu verlinken (auch wenn diese Aktion nicht an ein Gewinnspiel oder sonstiges geknüpft ist).”

Simon Herrmann im Interview zu Snack-Content

Simon Herrmann im Interview zu Snack-Content

Wie könnte es weitergehen bzw. geht es weiter?
Simon Herrmann: “Da das Bauch Video sehr gut angekommen ist, steht natürlich die Idee im Raum weitere, vielleicht noch frechere Spots zu produzieren.
Das Turbanvideo kam nur halb so gut an wie das Bauch Video. War es also zu lieb oder zu langweilig? Wir probieren gerne weiter rum und Learning by Doing ist die Dauerdevise bei Snack Content bei uns.
Man könnte über kleine „Like diesen Beitrag“ Gewinnspiele nachdenken und schauen was passiert.
Gerade versuchen wir auch kleine, aber sehr passende Markenbotschafter zu finden. Eine Empfehlung (wie das Verlinken eines Freundes unter einem Video) von einer bekannten Person zieht einfach 100 mal mehr. Steigert vielleicht sogar den Verkauf? Ich würde auch gerne mal etwas mit Storys machen – jedoch hat Grace dafür im Moment noch zu wenige Follower. Man könnte auch aus den entscheidenen Schlüsselszenen der Videos Gifs zum Teilen herstellen, und und und…”

Würdest du Snack Content also wieder benutzen?
Simon Herrmann: “Auf jeden Fall. Ich habe richtig Spaß daran bekommen. Ich lerne gefühlt jeden Tag dazu, bzw. gucke mir auch viel von anderen an. M
it Snack Content kann man ziemlich kreativ werden. Niemand denkt aktiv über den Kauf von Alltags- und Gebrauchsgegenstände aus dem Haushalt wie zum Beispiel Putzmittel oder eben Handtüchern nach. So geht es mir jedenfalls. Sie sind einfach immer da.
Wenn man es also schafft, durch Snack Content so eine Art von Produkten an den Mann bzw. die Frau zu bringen (uns sei es nur dass man wie ein Radiospot im Kopf bleibt), dann ist das doch toll.
Natürlich vervielfacht sich der Verkauf von Handtüchern nicht schlagartig durch ein oder zwei witzige Videos, gepostet in einem sozialen Netzwerk. Aber man kann es versuchen und Aufmerksamkeit generieren.
Im allerbesten Fall landet man einen kleinen oder großen viralen Hit der im noch besseren Fall ein Meme wird und die große Internetrundfahrt bucht. Das wäre ja zugegeben immer noch ein kleiner Traum von mir.”

Kurze Bilanz? Erfahrungsbericht?
Simon Herrmann: “Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute einem kleinen „Markiere einen Freund“ Aufruf folgen.
Die jüngere Zielgruppe ist oft gewillter, sich an Postings zu beteiligen, wird aber zu 100% auf keinen „Jetzt kaufen“ Button klicken.
Generell schaut keiner über das Video in die Videobeschreibung, Absender und Links scheinen egal zu sein, sind aber wichtig, dass die da trotzdem stehen.
Ich glaube man muss sich online etwas trauen und nicht zu schüchtern sein – das Bauch Video kam von allen dreien am besten an.
Frech sells? Vielleicht! Vergleicht man Facebook mit Instagram, so kam über Facebook deutlich mehr Rückmeldung. Die meisten Klicks kamen über Smartphones und Tablets rein, iPhone und Android Nutzer hielten sich die Waage. Die Videos wurden zu 70% ohne Ton geschaut.
Aufmerksamkeit und Reichweite ergeben Klicks und Likes, aber keine Verkäufe.
Eine Fanbase und Followerzaheln zu steigern dauert und ist gar nicht so einfach. Über Google Analytics konnten wir sehen, dass der Hauptteil der Shopbesucher auf der Homepage über Social Media kam.
Die Snack Content Inhalte erfüllen also ihren Zweck und leiten zu den Produkten.”

Vielen Dank.

Franz-Josef Baldus, Akademieleiter der Vine Academy Deutschland

Franz-Josef Baldus, GF koelnkomm kommunikationswerkstatt

franz-josef baldus,

koelnkomm socialmedia geschäftsführer

publiziert am 07.09.2016