Seit dem 25. Januar 2020 ist Dom Hofmann’s neue App “Byte” online, eine Plattform für Kurzvideos bzw. Snack-Content.
Entertainment für die einen, internationale Community für Kurzvideo-Creator für die anderen.
Ich bin seit dem ersten Tag dabei und möchte hier ausführen, warum Byte so richtig Spaß macht, große Chancen hat und vor allem deutlich besser ist als vermeintlich größere Plattformen.

Vine – 4 Jahre lang 6 Sekunden

Byte geht zurück auf “Vine”.
Vine (abgekürzt für Video Network) war zum Start 2013 die erste App, mit der das inzwischen gängige Format der Ultrakurzvideos ihren Anfang hatte.
Vine Videos durften maximal 6 Sekunden lang sein – das war neu.
Ebenso neu: Stop Motion Videos konnten erstmals direkt am Smartphone erstellt werden.
Vine wurde von Dom Hofmann und Rus Jussupow entwickelt und noch vor dem Launch von Twitter gekauft.

Vine war von Anfang an sehr erfolgreich, was Kreativität und Nutzerzahlen betraf – so erfolgreich, dass es sogleich Nachahmer fand:
Instagram, bis dato reine Fotoplattform, wurde zur Videoplattform erweitert.
Snapchat ging mit dem etwas anderen Kurzvideo-Konzept des ephemeralen, also flüchtigen Content an den Start.
Später wurde in China TikTok ins Leben gerufen, ebenfalls als Kurzvideoplattform.
Im Gegensatz insbesondere zu Instagram hat Twitter es jedoch versäumt, Vine wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Während Instagram unter seinem Besitzer Facebook zu einer geradezu phantastischen Einnahmequelle wurde, verfolgte Twitter das kaum nachvollziehbare Konzept, Vine nicht zu einer Werbeplattform zu machen.
Die Folge: als Twitter 2016 in eine wirtschaftliche Schieflage geriet, wurde Vine aus Kostengründen eingestellt und im Januar 2017 vom Markt genommen.
Für Leute wie mich war das seinerzeit ein bitterer Schlag, denn ich hatte dort mehr als 20.000 Follower, war Twitter-Kooperationspartner für Deutschland und entwickelte Vine-Videos für Marken wie Coca-Cola, Porsche und St. Moritz.
Was ich aber rein persönlich als schlimmer empfand: die tolle Community kreativer Kurzvideoentwickler aus aller Welt war von heute auf morgen weg. Ein echter Verlust.

Byte – Vine 2.0

Das hat wohl auch Dom Hofmann so gesehen, der schon kurze Zeit nach dem Vine-Ende verkündete, er werde eine neue, noch bessere Kurzvideo-App entwickeln.
Gesagt, getan.
Nun gibt es Byte.

Rein formal ist Byte eine Plattform für 9:16 hochformatige Kurzvideos, deren app-eigene Editier-Eigenschaften gegenüber dem Wettbewerb wohltuend reduziert sind.
Zum Start lag die Videolänge bei maximal 6 Sekunden, eine Zahl, die nach vier Wochen auf 8 Sekunden erweitert wurde.
Aktuell befinden sich 16-Sekünder im Betatest-Stadium. Als einer der Beta-Tester empfinde ich das als perfekt – und Dom Hofmann hat vermutlich die zahlreichen wechselwilligen TikTok-Creator im Blick, die mit 16 Sekunden sogar noch eine Sekunde mehr zur Verfügung haben als auf ihrer gewohnten Plattform.

Byte mit klaren Vorteilen

Rund um Byte gibt es einige interessante Features, die Byte von anderen Kurzvideo-Apps unterscheiden:

> Demokratisch transparent
Während TikTok permanent mit Zensur- und Diskrimierungs-Vorwürfen in den Schlagzeilen ist und niemand wirklich in die chinesischen Entscheidungsstrukturen und Geheimdienstverflechtungen hineinschauen kann, geht es bei Byte ziemlich transparent, manchmal geradezu familiär zu.
So existiert zum Beispiel neben der App das “Byte Forum”, eine von der App aus verlinkte Internetplattform, auf der jeder User und Creator Beiträge platzieren kann um über Themen zu sprechen, Kritik zu äußern, Probleme anzusprechen, Fragen zu stellen oder einfach nur Diskussionen anzuregen.
Auch Dom Hofmann informiert hier regelmäßig und erstaunlich transparent über die aktuellen Entwicklungen rund um die App.

> Interaktionsstark
Ich habe noch keine Social Media Plattform erlebt, auf der ein so reger Austausch stattfindet wie auf Byte.
Bei meinem eigenen Byte-Account, den ich täglich bediene, liegt das Verhältnis zwischen der Anzahl an Beitrags-Interaktionen (Likes und Kommentare) und der Anzahl an Followern am heutigen Tag bei durchschnittlich 38 %, das Verhältnis von Kommentaren zu Likes bei durchschnittlich 31,5 %.
Das sind Werte, die meilenweit über den statistischen Durchschnittswerten anderer sozialer Netzwerke liegen.
Bei Instagram zum Beispiel schwankt die Interaktionsrate je nach Beitragsart aktuell zwischen 1,9 % und 4,5 %, bei meinem eigenen Account sind es zwar 10,6 %, aber immer noch kein Vergleich zu Byte.
Offizielle Zahlen zu Interaktionsraten der gesamten App gibt es leider noch nicht, aber sollte mein Account auch nur ansatzweise repräsentativ sein, dann dürften weitere Werbekunden nicht lange auf sich warten lassen.

> Weniger eitel
Im Gegensatz zu anderen Plattformen sieht man bei Byte zwar die Videos, also den Content der Creator, nicht jedoch deren Anzahl an Followern, deren Gesamtzahl an Views oder ähnliches. Views, Likes und Kommentare werden lediglich beitragsbezogen angezeigt.
Selbst die Accounts, denen man selber folgt, werden nicht als Zahl dargestellt und nicht in Relation zur Anzahl der Follower.
Das führt insgesamt zu deutlich weniger Eitelkeitsentscheidungen, die man von anderen Plattformen zur Genüge kennt, auf denen sich Leute plötzlich wichtiger fühlen, wenn das Folgen-und-Gefolgt-werden-Verhältnis zu ihren Gunsten ausfällt und das auch für jeden anderen sichtbar ist.

> Partnerschaftlich
Byte beteiligt die besten Content-Creator im Rahmen seines “Partnerprogramms” an den wirtschaftlichen Erfolgen bzw. Werbeeinnahmen.
Dies ist am Markt ein komplett neues Modell, daher muss Byte hierzu erst mal KnowHow sammeln und ein gerechtes, gut funktionierendes Modell installieren.
Aus diesem Grund gibt es das Partnerprogramm im ersten Schritt derzeit nur im Mutterland USA.
Gestartet ist es am 15. April 2020 mit einem Budget von immerhin 250.000 Dollar, die über einen Zeitraum von 4 Monaten alle 30 Tage an 100 Creator ausgeschüttet werden, die View-basiert über „Viewership Brackets“ ermittelt werden.
Für den einzelnen Creator sind das momentan noch keine hohen Summen, aber das kann sich mit der Höhe der Werbeeinnahmen auch rasch und deutlich ändern.

Tipps für den Start

Wenn ihr mit Byte loslegen möchtet, dann ladet euch einfach die iOS- oder Android-Version der App runter, zum Beispiel über diesen Link – und werdet aktiv.
Aktiv werden könnt ihr auf verschiedenen Ebenen:

  • Fangt an und bleibt dran. Ladet regelmäßig Content hoch, am besten täglich
  • Schreibt Kommentare. Drückt aus, wenn euch etwas gefällt und antwortet, wenn euch im Beitrag eine Frage gestellt wird. Die “Amtssprache” auf Byte ist üblicherweise Englisch, so wie früher bei Vine.
  • Macht Rebytes. Im Gegensatz zu Instagram ist es gar nicht kompliziert, einen guten Post sofort zu teilen. Man nennt das “Rebyte” und der wird dann all euren Followers angezeigt. So macht ihr andere Accounts in eurem Dunstkreis bekannt – und wenn ihr guten Content macht passiert euch das umgekehrt auch. Aber vor allem:
  • Habt Spaß an der Plattform und schaut regelmäßig rein.

Franz-Josef Baldus, Akademieleiter der Vine Academy Deutschland

Franz-Josef Baldus, GF koelnkomm kommunikationswerkstatt

franz-josef baldus,

geschäftsführer koelnkomm kommunikationswerkstatt

Veröffentlicht am 06.05.2020