Snack-Content: Cinemagraph als Eye-Catcher



Herbst

Einstieg einer jeden Marketing-Kampagne? Aufmerksamkeit gewinnen.
Keine leichte Aufgabe, denn immer mehr Unternehmen konkurrieren im Newsfeed der Nutzer. Deshalb wird es abseits der bezahlten digitalen Werbeanzeigen immer schwieriger, auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. Reichweiten zu generieren.
Galt 2015 als „Jahr des Video-Marketings“, stellt sich die Frage, mit welchem neuen Content Unternehmen sich 2016 in den sozialen Netzwerken von der Konkurrenz abheben wollen.
Eine Antwort darauf könnte das Snack-Content Format „Cinemagraph“ sein, denn es erzeugt genau diesen positiven Überraschungseffekt: „Wow! Das ist ja ungewöhnlich!“
Fans und Follower fällt es schwer, den Blick abzuwenden. Die Folge: Likes, Kommentare und Shares.

Was ist ein Cinemagraph?

Cinemagraphs sind Standbilder, bei dem sich dennoch ein Detail bewegt – praktisch eine Mischform aus Bild und Video, auch Foto-Video-Hybrid, Fotovideo oder Cinemagram genannt:
Ein Herbstwald, in dem nur ein Blatt vom Baum fällt.
Ein einzelner Grashalm, der sich im Wind wiegt.
Ein Mensch, bei dem nur der Schatten tanzt.
Das Besondere: Cinemagraphs wirken kunstvoll, elegant und sehr dezent.
Grundlage des Cinemagraphs sind kurze Videos, die man mit Cinemapgarph-Apps oder -Programmen bearbeitet und dabei die bewegten und unbewegten Sektoren des Videos definiert.
Wie das Snack-Content Format „Vine-Video“ läuft auch ein Cinemagraph in Endlosschleife, wenn es bei Vine oder Instagram gepostet oder als GIF bei Facebook platziert wird.
Anfang und Ende sind für den Betrachter nicht zu erkennen. Cinemagraphs sind erst mal ohne Sound, es sei denn, man hinterlegt ihn in der Postproduktion.

2011: Renaissance animierter GIFs
Anfang 2011 kreierten die zwei New Yorker Fotografen und Künstler Jamie Beck und Kevin Burg die ersten „lebendigen“ Fotos und belebten damit ihren Tumblr-Blog. Der Begriff Cinemagraph entsprang ihrer Feder.
Dabei entwickelten die Modefotografen keine neue Technik, sondern verwendeten das animierte GIF-Format, das schon Ende des letzten Jahrtausends entwickelt wurde. Seit dem erlebt das animierte GIF eine wahre Renaissance in den sozialen Netzwerken.
Auch Cinemagraphs werden, warum auch immer, in der Regel nicht als Video, sondern als animiertes GIF ins Netz gestellt.
Das liegt vermutlich einfach nur an der Vorgabe seitens der Bildagenturen, die sich aktuell des Themas annehmen und damit einen neuen Markt erschließen, aber dazu komme ich später noch.

4 Tipps für ein gutes Cinemagraph

1. Wie bei jedem Snack-Content sollte man bei der Motivsuche die Gesamtmarketing-Strategie berücksichtigen. Geht es um Image, Markenbildung, Vertrieb oder Steigerung der Interaktionsrate?

2. Keine verwackelten Videos als Basismaterial verwenden. Ein Stativ für die Kamera bzw. das Smartphone ist deshalb sinnvoll, um qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen.

3. Auf die Beleuchtung achten. Je nachdem welchen Effekt man mit dem Cinemagraph erreichen möchte, kann mehr, weniger oder punktuelles Licht eingesetzt werden.

4. Welches Bildbearbeitungsprogramm bzw. welche App soll für die Erstellung verwendet werden?
Ich nutze für meine Cinemagraphs bevorzugt Cinemagraph Pro von Flixel, eine professionelle Bildbearbeitungssoftware für den Mac, die 2014 auf den Markt kam.
Gleichzeitig stehen im App Store eine gleichnamige App für das iPhone und das iPad zur Verfügung. Der Vorteil des Tools: Es bedient sich einer Live-Masking-Technologie. Bei importierten Videos lassen sich ausgewählte Details kennzeichnen, die sich anschließend beim Abspielen bewegen. Zur Aufnahme der Videos gibt das Programm ein 4 Sekunden Zeitfenster vor. Das verhindert zu wackelige Bilderfolgen und bringt ein besseres Ergebnis. Am Ende kann man das Cinemagraph als animiertes GIF oder als Clip speichern.
Parallel dazu nutze ich auch die App Cinemagram. Diese einfache und kostenlose App erfüllt aus meiner Sicht auch ihren Zweck.

Al Snack-Content vielfältig einsetzbar

Einmal produziert ist ein Cinemagraph auf allen sozialen Plattformen einsetzbar. Gleichzeitig peppen sie die eigene Website auf oder lassen sich als GIF sogar in die E-Mail-Signatur einfügen.

Bildagenturen als Markttreiber

Etwas künstlerisch Neues ist, sofern für’s Marketing geeignet, auch immer eine kommerzielle Marktlücke. Daher verwundert es nicht, dass bereits spezielle Bildagenturen entstanden sind, die die wenigen guten Cinemagraph-Künstler unter Vertrag nehmen und als Schnittstelle zwischen Künstler und Markt fungieren. Natürlich haben auch hier die Amerikaner wieder mal die Nase vor. Die Agentur „Come Alive Images“ hat das kommerzielle Potential dieser Nur-ein-bißchen-bewegt-Bilder als eine der ersten erkannt.
Vor ein paar Tagen folgte Shutterstock durch einen Vertragsabschluss mit Software-Hersteller Flixel.
In Deutschland ist die Berliner Agentur Gallereplay auf einem guten Weg, den deutschen und internationalen Markt zu erobern.

Cinemagraph als digitales Anzeigenformat

Spätestens seitdem Facebook und Instagram daran arbeiten, Cinemagraphs als Anzeigenformate zu etablieren (seit Mai 2015 unterstützt Facebook GIFs), gewinnen diese animierten Bilder an Bedeutung. Der Grund liegt auf der Hand. Auch als Werbeanzeige bringt Cinemagraph den Betrachter zum Staunen. Die überraschende Abwechslung gefällt den Usern und wird entsprechend nicht so negativ wahrgenommen wie längere Werbevideos oder Werbebilder.

Fazit

Bei den neuen Instrumenten, die den eigenen Content oder vielleicht das digitale Anzeigenmaterial in den sozialen Netzwerken beflügeln, kann ich Cinemagraphs als Eyecatcher nur empfehlen.
Das Snack-Content Format „Cinemagraph“ zieht den Betrachter bedeutend länger in den Bann als Bilder, denn ein winziges Details des Bildes zuckt, zwinkert und verblüfft damit die Betrachter.
Gut produziert, gezielt und umsichtig eingesetzt können damit Marketing-Ziele wie Imagebildung und Engagement bei Usern erreicht werden.
Für längerfristige Kampagnen ist aus meiner Erfahrung heraus eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Snack-Content Formaten sinnvoll, damit der Wow-Effekt immer wieder aufs Neue die Fans an das eigene Produkt oder die Dienstleistung bindet.

autor: franz-josef baldus,
koelnkomm socialmedia
geschäftsführer
Akademieleiter Snack-Content-Academy

publiziert am 15.11.2015