Start der Bundesliga: Vine mit einer neuen Welle von Fußball-Videos?

Vine Videos mit Torszenen – sehr beliebt

„Toooor“ – Kaum gefallen, taucht die Szene dank der Smartphone App Vine nur wenige Sekunden später in den sozialen Netzwerken auf. Schnell vom Fernsehen abgefilmt. Alles kostenfrei. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft gehört das dazu. Den Fans gefällt‘s. Fußball-Verbände und Vereine sehen die Entwicklung kritisch. Natürlich, bei den Fernsehrechten geht es um Deals in Milliardenhöhe!

Die Diskussion über Fußball Vine Videos ist nicht neu. Noch während der Fußball Weltmeisterschaft sorgten der Weltfußballverband FIFA und seine Fernsehpartner dafür, dass bei Vine keine Fernsehbilder der laufenden WM mehr zu sehen waren. Besonders kritisch sahen die Inhaber der Fernsehrechte das Abfilmen der Torszenen, mit denen Accounts wie zum Beispiel @footballVines in kürzester Zeit eine Menge Follower generierten.

Vine Videos mit Torszenen – sehr gefährlich

Jetzt zum Saisonstart wollen die Verantwortlichen der Premier League und der englische Fußballverband Torvideos verbieten. Es sei eine massive Urheberrechtsverletzung und illegal, sagen die Verantwortlichen. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und entwickeln Crawler zum Aufspüren dieser Filme. In Deutschland wurde bislang nur ein Fall bekannt. Im April hatte die deutsche Bundesliga zwei Jugendlichen, die aus dem TV abgefilmte Spielszenen auf Twitter verbreitet hatten, nahegelegt, ihren Account zu schließen, Stichwort „Urheberrecht“.
Ich bin kein Anwalt und weiß nicht wie strittig die Frage ist, ob und wann man eine Liveberichterstattung im Fernsehen abfilmen darf oder nicht. Vielleicht spielt dabei die Kürze eine Rolle, vielleicht ein Kommentar. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie es rechtlich damit aussieht. Aber nichtsdestotrotz frage ich mich: Schadet es den Vereinen und Fernsehsendern wirklich, wenn sich kurze Filme über entscheidende Tore im Netz verbreiten? Ist es nicht vielleicht sogar eine gute Werbung für den Sport und eine Motivation dafür, sich beim nächsten Mal das Spiel komplett im Fernsehen anzuschauen?

Vine Videos aus dem Stadion

Neben dem TV-Abfilmen sind Stadion-Live-Mitschnitte ebenfalls bei den Fans beliebt. Für Fotos und Filme gilt hier das Hausrecht der Stadien. Laut Aussage der deutschen Fußballliga ist „die Mitnahme von technischem Gerät in der Bundesliga über die Ticket-Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Clubs geregelt. Dabei gilt in der Regel: Bilder und Videos sind für privaten Gebrauch erlaubt, für kommerziellen öffentlichen verboten.“ Für Deutschland heißt das: Wer also Tore im Stadion filmt, darf sie privat verbreiten, aber nicht über einen kommerziellen Kanal.

Fazit:

Privat vs. Kommerziell – Ich denke, hier liegt auch für die Vereine die Problematik. Egal ob Film oder Fotografie: Privat ist in Deutschland mehr erlaubt als kommerziell. Doch wo ist im sozialen Netz die Grenze? Wenn ein privater Account durch spektakuläre Torszenen plötzlich tausendfach Fans bekommt und darüber bekannt und berühmt wird? Ist das dann noch privat? Beispiele von erfolgreichen YouTubern gibt es genug, die in nur wenigen Monaten eine große Fanbase aufgebaut haben und heute damit Geld verdienen. Anderseits hat die Fußball-Weltmeisterschaft auch durch die enorme Verbreitung über Twitter einen Schub für den Sport bekommen, den man nicht einfach wegwischen kann. Warum nutzen die Ligen also nicht die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke? Professionell hergestellte Torszenen auf Vine im offiziellen Account des Vereins: Das kann doch nur gut ankommen!

autor: franz-josef baldus,
koelnkomm socialmedia
geschäftsführer

publiziert am 28.08.2014