In der Jury der Cannes Corporate Media & TV Awards




Die letzten zwei Tage waren anstrengend. Gemeinsam mit meinen Jurykollegen aus aller Welt mussten in Wien knapp 600 Videos angeschaut und bewertet werden.
Wie läuft so eine Juryarbeit bei den Cannes Corporate Media & TV Awards ab?

Die Jury-Aufteilung

Zu Beginn der Jurysitzung, die alljährlich am Standort des Veranstalters in Wien stattfindet, wird die in diesem Jahr 17-köpfige Jury in 5 Gruppen aufgeteilt, damit sich die Zahl der Videos, die jede Gruppe zu bewerten hat, auf ein realistisches Maß reduziert.
Meine Gruppe bestand aus vier Jurykollegen – Conrad, Johan, Sebastian und mir.
Conrad Heberling unterrichtet als Professor an der Filmuniversität Babelsberg, Johan von Gersdorff ist Managing Director bei Serviceplan Austria, Sebastian Pfotenhauer arbeitet als Head of Video bei Ringier in der Schweiz.

Video-Bewertung und Preisvergabe

Unter der Moderation von Eszter Lehószky, einer Mitarbeiterin des Veranstalters, hat meine Gruppe insgesamt 6 Video-Kategorien zu bewerten. Das geschieht nach folgendem Modus:
Wir nehmen Platz in einem für uns vier ziemlich überdimensionierten Konferenzraum und schauen auf einen großen Monitor am Tischende.

Vor uns liegen Tablet-Computer, je ein Tablet pro Jurymitglied.

Hierauf findet sich pro Video ein Briefing (auf Deutsch und/oder Englisch) mit folgenden Informationen:

  • Titel des Videos
  • Zielgruppe
  • Briefing
  • Usage
  • Synopsis

Interessant auch, was das Briefing nicht enthält: Es gibt keinen Hinweis auf die Produktionsgesellschaft, wohl ein Schritt in Richtung der Jury-Neutralität.

Zudem enthält das Tablet auch das wichtigste Tool: die Bewertung.
Wir vergeben für jedes Video Punkte von 0 bis 10 – und zwar nach 5 verschiedenen Kriterien.
Jedes Jurymitglied vergibt diese Punkte erst mal für sich allein.
Nach Bewertung einer Kategorie schauen wir uns gemeinsam die Gesamtpunktzahl und das Ranking der einzelnen Videos an und diskutieren, welche Videos mit den begehrten Gold- und Silber-Delphinen gekürt werden.
Das müssen wir übrigens nicht zwingend. Enthält eine Kategorie unserer Meinung nach keine starken Filme, so können wir auch auf’s Küren von Gewinnern verzichten.

Ein internes Publizieren der Gewinnervideos innerhalb der Gesamt-Jury findet übrigens nicht statt. Selbst ich als Jurymitglied kenne nur die Gewinner, die in meiner eigenen Gruppe gekürt wurden oder über die man sich mit anderen Jurymitgliedern bei den gemeinsamen Abendveranstaltungen austauscht.

Der Grand Prix

Besonders herausragende unter den goldgekürten Videos bekommen von den Jurygruppen eine Grand Prix-Nominierung. Der Grand Prix wird nur einmal vergeben und ist insofern für den besten Film des Wettbewerbs vorgesehen.

Die Grand Prix-Bewertung erfolgt am Ende der beiden Jurytage.
Hierzu werden die Jurygruppen aufgelöst und alle Jurymitglieder schauen sich in der großen Runde alle Grand Prix-nominierten Videos gemeinsam an.
Dann erfolgt die Bewertung und Diskussion – und am Ende ein mehrheitlicher Grand Prix-Beschluss.

Die Preisverleihung

Ob ein Video Preise gewonnen hat, erfahren die einreichenden Unternehmen erst mit der Einladung zur Preisverleihung am 27. und 28. September in Cannes.
Jeder Eingeladene weiß dann, dass er zu den Preisträgern gehört. Welchen Preis das Videos gewonnen hat, erfährt man allerdings erst am Award-Abend des 28.09.2017.

Fazit

Juryarbeit erfordert eine hohe Konzentration über etliche Stunden und ist daher ziemlich anstrengend. Aber natürlich ist es auch ein riesiger Spaß und eine gewisse Ehre, auf diese verantwortliche Weise Teil eines der weltweit renommiertesten Filmfestivals für Unternehmensvideos sein zu dürfen.
Und dass ich mich jetzt schon auf die Award-Night im Palm Beach in Cannes freue, versteht sich wohl von selbst.

Publiziert am 22.07.2017

Franz-Josef Baldus, Akademieleiter der Snack-Content Academy Deutschland

Franz-Josef Baldus, GF koelnkomm kommunikationswerkstatt